Hochgebirgsschule im Eis vom 18. bis 24.06.2005 - LGK (LPK) Kärnten

Standort OBERWALDERHÜTTE Glocknergebiet

 

Dies war der letzte Alpinkurs, der unter dem Namen „Gendarmerie“Alpinkurs durchgeführt wurde. Zu den 2 auszubildenden Alpinisten, kamen aufgrund einer kurzfristigen und unerwarteten Absage 3 Wiederholer (bereits ausgebildete Hochalpinisten, die im 3-Jahres Rhythmus Auffrischungskurse durchführen), wobei einer jedoch aufgrund einer Verletzung schon nach 2 Tagen wieder abreisen musste, und fünf Bergführer.

Am 18.06 erfolgte die Anreise von der Gendarmeriekaserne in Krumpendorf mit einem Bus zum Franz Josefs Haus. Von dort erfolgte der Aufstieg zur Oberwalder Hütte. Lediglich ein Teilnehmer nahm die Strecke, zu Trainingszwecken, mit dem Fahrrad in Angriff und erreichte nach einer Fahrt von ca. 11 Stunden und 260 km, doch etwas erschöpft den Standort.

Am 19.06. wurde in verschiedenen Gruppen mit der Ausbildung begonnen. Zwei Gruppen stiegen auf den Mittleren Bärenkopf und führten beim Rückweg beim sog. Eiswandbichl Übungen durch. Zwei weitere Gruppen stiegen über die Bockkarscharte und die Keilscharte in Richtung Großer Bärenkopf auf, wo der Aufstieg durch die vereiste Nordwand erfolgen sollte. Doch wo war das Eis? Die gesamte Nordwand war nur mehr mit knietiefem Firnschnee bedeckt, was eine Durchsteigung nicht lohnenswert erscheinen lies. So wurde eine Überschreitung im Aufstieg über den Ostgrat und im Abstieg über den Westgrat durchgeführt.

Am 20.06. begann der Tag für zwei Seilschaften bereits um 04.30 Uhr, da es galt, den Großglockner über den Meletzkigrat zu erklimmen. Dies wurde in Rekordzeit von 5 Stunden, bei einer Aufstiegshöhe von ca. 2400 Hm, bewältigt und mit einem herrlichen Wetter und Panorama belohnt. Nach einem Abstieg über das Hoffmannskees zur Hoffmannshütte und Wiederaufstieg zur Oberwalderhütte endete die Tour nach insgesamt 11 Stunden. Als besondere Härte wurde die Tatsache empfunden, dass sowohl die Adlersruhe als auch die Hofmannshütte geschlossen waren und die Männer gezwungen waren, bei den Hütten vorbeizugehen.

Die restlichen zwei Seilschaften führten an diesem Tag Übungen zum Thema Verhalten und Rettungstechnik auf dem Gletscher und im Gletscherbruch durch und dabei passierte es. Bei Rutschversuchen brach ein Eisgerät aus und einer der Teilnehmer verletzte sich dadurch im Gesicht, was eine Fortsetzung des Kurses nicht mehr ermöglichte.

Am 21.06. wollten zwei Seilschaften eine der klassischen Eistouren im Glocknergebiet begehen. Nach dem Aufstieg zur Hohen Riffl und dem Abstieg über den Westgrat sollte die Rifflnordwand durchstiegen werden. Doch bereits bei der Besichtigung vom Gipfel aus, konnte festgestellt werden, dass sich sehr viel Schnee in der Wand befand. Dies sollte sich beim Einstieg in die Wand bestätigen. Bei teilweise bis zu hüfthohem Firnschnee kämpften sich die Seilschaften nach oben. Von einer Eistour keine Rede. Wenigsten entlohnte das schöne Wetter für den entgangenen Eisgenuss.

RevInsp AZNACH beim Ausstieg aus der RIFFL NORDWAND

Die beiden anderen Seilschaften führten im angrenzendem Hufeisenbruch Rettungstechnik und Alpines Verhalten am Gletscher durch.

Am 22.06. erfolgte die erste gemeinsame Tour aller Kursteilnehmer auf den Fuscherkarkopf. Jedoch nicht auf der klassischen Eisroute durch die Nordwand, die schon seit Jahren aufgrund mangelnden Eises nicht mehr als solche begangen wird, sondern über den Westgrat, wobei Führungstechnik und Taktik geübt wurden. Der Nachmittag wurde mit Unterrichten und praktischen Übungen in Gletscherspalten verbracht.

Der 23.06. Der Tag der Entscheidung für die zwei auszubildenden Alpinisten. Der Prüfungstag. War nach der profunden Ausbildung natürlich kein großes Problem.Und die Wiederholer saßen während der Zeit am Laptop und tippten diesen Bericht, damit auch Andere an unseren Erlebnissen teilhaben können.

Während des gesamten Kurses herrschte Kaiserwetter, als ob dies die Belohnung für das Ende einer Ära hätte sein sollen. Somit ging ein weiteres Kapitel der Gendarmerie zu Ende.

Faszination Eisklettern: RevInsp FLEISSNER auf einem gefrorenen Wasserfall

 

Berg Heil

Robert Aznach, Manfred Liebhard